
Wer mit Diabetes lebt und eine kohlenhydratbezogene Therapie nutzt, muss im Alltag häufig abschätzen, wie viele Kohlenhydrate eine Mahlzeit enthält. Dabei helfen Kohlenhydrateinheiten beziehungsweise Broteinheiten, häufig abgekürzt als KE oder BE. Entscheidend ist aber nicht nur die Menge: Auch die Art der Kohlenhydrate, der Fett- und Ballaststoffgehalt, die Zubereitung und die Portionsgröße beeinflussen, wie schnell der Blutzucker ansteigen kann.
Die folgenden Angaben dienen als praktische Orientierung für den Alltag. Je nach persönlichem Therapieplan, Insulinfaktor, Aktivität, Erkrankungen, Schwangerschaft oder individueller Stoffwechsellage können abweichende Empfehlungen gelten. Besprich konkrete Anpassungen daher immer mit deinem Diabetesteam. Grundlagen zur Ernährung findest du auch in unserem Beitrag Diabetes und Ernährung im Alltag; medizinische Fachinformationen bietet zum Beispiel die Deutsche Diabetes Gesellschaft.
Was bedeuten KE und BE?
KE und BE sind Recheneinheiten, mit denen kohlenhydrathaltige Lebensmittel im Diabetesalltag besser planbar werden. In vielen Schulungen gilt: Eine Kohlenhydrateinheit, kurz KE, entspricht etwa 10 Gramm Kohlenhydraten. Eine Broteinheit, kurz BE, wird häufig mit etwa 12 Gramm Kohlenhydraten angesetzt. Welche Einheit du verwenden sollst, hängt von deiner Schulung, deinem Therapieplan und den Vorgaben deiner Praxis ab.
Wichtig ist: KE und BE sind Hilfsmittel, keine exakten Naturgesetze. Gerade bei gemischten Mahlzeiten, Restaurantessen, selbst gebackenem Kuchen oder Fertigprodukten kann die tatsächliche Kohlenhydratmenge schwanken. Deshalb lohnt es sich, Lebensmittel regelmäßig zu wiegen, Nährwertangaben zu lesen und den Blutzucker beziehungsweise Glukoseverlauf zu beobachten. Mehr dazu findest du in unserem Artikel Blutzuckerwerte verstehen.
Warum Kohlenhydrate den Blutzucker unterschiedlich beeinflussen
Kohlenhydrate aus Zucker, Stärke, Milchzucker oder Fruchtzucker können den Blutzucker erhöhen. Wie schnell das passiert, hängt unter anderem davon ab, ob ein Lebensmittel stark verarbeitet ist, viel Ballaststoffe enthält, mit Fett kombiniert wird oder in flüssiger Form aufgenommen wird.
- Schneller Blutzuckeranstieg: häufig bei Limonade, Fruchtsaft, Traubenzucker, Bonbons, Weißmehlgebäck, süßen Getränken und manchen Obstsorten wie Weintrauben.
- Langsamerer Blutzuckeranstieg: häufig bei Vollkornprodukten, ballaststoffreichen Mahlzeiten, Kartoffeln mit fester Struktur, Hülsenfrüchten oder fettreichen Süßwaren wie Schokolade.
- Verzögerter Anstieg: möglich bei sehr fett- oder eiweißreichen Mahlzeiten, zum Beispiel Pizza, Sahnesoßen, Nuss-Nougat-Creme oder üppigen Festessen.
Für die praktische Berechnung zählt daher nicht nur die Kohlenhydratmenge, sondern auch die Frage, wann der Blutzucker steigt. Bei Unsicherheiten kann ein Blick auf den Verlauf mit Blutzuckermessgerät oder kontinuierlichem Glukosemesssystem helfen.
Orientierungswerte für häufige Lebensmittelgruppen
Die folgenden Werte sind alltagstaugliche Schätzwerte. Sie ersetzen keine individuelle Schulung, können aber helfen, Portionen schneller einzuordnen.
| Lebensmittelgruppe | Typische Orientierung | Hinweis für den Blutzucker |
|---|---|---|
| Brot und Brötchen | 1 Scheibe Brot oder 1 Brötchen meist ca. 2 KE/BE | Weißmehl wirkt schneller, Vollkorn langsamer |
| Marmelade, Honig, Nuss-Nougat-Creme | 1 Esslöffel Marmelade oder Nuss-Nougat-Creme beziehungsweise 1 Teelöffel Honig ca. 1 KE/BE | Honig und Marmelade wirken eher schnell, Fett in Nuss-Creme verzögert |
| Kartoffeln | 1 hühnereigroße Kartoffel ca. 1 KE/BE | Ballaststoffe und Struktur verteilen die Aufnahme oft gleichmäßiger |
| Nudeln | Ca. 15 g rohe Nudeln oder etwa 50 g gekochte Nudeln ca. 1 KE/BE | Ein Teller mit ca. 200 g gekochten Nudeln etwa 4 KE/BE |
| Reis | 1 Esslöffel roher Reis ca. 1 KE/BE | Beim Kochen quillt Reis stark auf; 1 Esslöffel roh ergibt ca. 2 bis 3 Esslöffel gekocht |
| Gebäck | Viele Gebäckstücke ca. 2 bis 3 KE/BE | Häufig hoher Anteil aus Mehl, Zucker und Fett |
| Kuchen und Torten | 1 Stück häufig ca. 3 bis 4 KE/BE | Fett kann den Anstieg verzögern |
| Eis | 1 Kugel ca. 2 KE/BE; Waffeleis oder großes Eis am Stiel eher 2,5 bis 3 KE/BE | Zucker wirkt, Fett und Milchbestandteile können verzögern |
| Milchprodukte | 150 g Naturjoghurt ca. 0,5 KE/BE; Fruchtjoghurtbecher oft ca. 2 KE/BE | Frucht- und Haushaltszucker erhöhen die Menge deutlich |
| Gezuckerte Getränke | Ein Glas Limonade oder Fruchtsaft mit 0,2 l oft ca. 2 KE/BE | Wirken meist schnell und eignen sich eher gezielt, zum Beispiel bei Unterzuckerung |
Brot, Brötchen und Backwaren
Brot und Brötchen enthalten Stärke und sind deshalb kohlenhydratrelevant. Eine Scheibe Brot oder ein Brötchen wird häufig mit etwa 2 KE/BE eingeschätzt. Backwaren mit viel weißem Mehl, etwa Laugengebäck oder helle Brötchen, können den Blutzucker schneller ansteigen lassen als ballaststoffreiche Varianten.
Vollkornbrot, Mehrkornbrot und Brote mit ganzen Körnern enthalten meist mehr Ballaststoffe. Dadurch kann der Blutzuckeranstieg langsamer und gleichmäßiger verlaufen. Trotzdem bleibt die Kohlenhydratmenge relevant. Gerade große Brotscheiben, belegte Baguettes oder sehr kompakte Vollkornbrote sollten nicht unterschätzt werden.
Brotaufstriche: Fettfrei ist nicht automatisch kohlenhydratarm
Butter, Margarine und Öl enthalten praktisch keine Kohlenhydrate. Anders sieht es bei süßen Aufstrichen aus: Marmelade, Honig und Nuss-Nougat-Creme müssen in der Kohlenhydratberechnung berücksichtigt werden. Als grobe Orientierung gilt: Ein Esslöffel Marmelade oder Nuss-Nougat-Creme beziehungsweise ein Teelöffel Honig entspricht etwa 1 KE/BE.
Marmelade und Honig können den Blutzucker eher schnell erhöhen. Bei Nuss-Nougat-Creme ist der Zucker zwar ebenfalls relevant, das enthaltene Fett kann den Anstieg aber verzögern. Deshalb ist es sinnvoll, nicht nur den Startwert, sondern auch den Verlauf nach der Mahlzeit im Blick zu behalten.
Eier, Fleisch und Fisch: meist ohne Kohlenhydrate, aber nicht immer ohne Relevanz
Eier, Fleisch und Fisch enthalten von Natur aus kaum oder keine Kohlenhydrate. Reine Eiergerichte, unpaniertes Fleisch oder unpanierter Fisch sind daher in der Regel nicht als Kohlenhydratquelle zu berechnen. Anders wird es, wenn Mehl, Milch, Panade, Teig oder Beilagen ins Spiel kommen.
Eierspeisen
Bei Eierspeisen mit Mehl und Milch, zum Beispiel Pfannkuchen oder Kaiserschmarrn, stammen die Kohlenhydrate nicht aus den Eiern, sondern aus den übrigen Zutaten. Eine durchschnittliche Portion kann etwa 4 KE/BE enthalten und den Blutzucker eher langsam bis verzögert ansteigen lassen, abhängig von Fettgehalt und Beilagen.
Fleisch und Fisch mit Panade
Unpaniertes Fleisch und unpanierter Fisch sind üblicherweise nicht kohlenhydratrelevant. Bei panierten Varianten, etwa Schnitzel oder Backfisch, muss die Panade berücksichtigt werden. Für eine Portion können je nach Größe ungefähr 2 bis 3 KE/BE anfallen.
Gebäck, Kekse, Kuchen und Torten
Gebäck enthält meist Mehl, Zucker und häufig auch Fett. Der Kohlenhydratanteil liegt bei vielen Gebäckarten grob bei 30 bis 50 Prozent des Gewichts. Viele einzelne Gebäckstücke bewegen sich ungefähr im Bereich von 2 bis 3 KE/BE, können aber je nach Größe deutlich abweichen.
Kekse
Kekse sind kleine Lebensmittel mit hoher Energiedichte und werden leicht unterschätzt. Drei kleine Stück Butterkekse, Waffelröllchen oder ähnliche Kekse können ungefähr 1 KE/BE ergeben. Weil Kekse oft aus Mehl, Zucker und Fett bestehen, kann die Portionskontrolle schwierig sein.
Kuchen und Torten
Ein Stück Kuchen oder Torte enthält häufig etwa 3 bis 4 KE/BE. Bei sehr süßen, großen oder üppig gefüllten Stücken kann es mehr sein. Sahne, Creme, Nüsse oder Schokolade verändern nicht nur die Kalorienmenge, sondern können auch den zeitlichen Verlauf des Blutzuckeranstiegs beeinflussen.
Getreideprodukte, Müsli und Frühstücksflocken
Getreideprodukte enthalten Stärke und sind deshalb kohlenhydratrelevant. Bei Mehl und Grieß entspricht ein gehäufter Esslöffel mit etwa 15 Gramm häufig ungefähr 1 KE/BE. Haferflocken, ungezuckerte Cornflakes oder ungezuckertes Müsli können je nach Produkt mit ein bis zwei Esslöffeln etwa 1 KE/BE liefern.
Eine Portion Müsli mit Milch kann schnell auf etwa 4 KE/BE kommen. Besonders wichtig ist der Blick auf die Zutatenliste: Knuspermüsli, Schokomüsli und viele Frühstückscerealien enthalten oft zusätzlichen Zucker oder Sirup. Mehr zum Lesen von Nährwerttabellen findest du in unserem Artikel Nährwertangaben richtig verstehen.
Kartoffeln und Kartoffelprodukte
Kartoffeln enthalten Stärke und lassen den Blutzucker ansteigen. Gleichzeitig sorgen Ballaststoffe und die Struktur der Kartoffel dafür, dass die Kohlenhydrate oft relativ gleichmäßig aufgenommen werden. Als praktische Schätzgröße gilt: Eine hühnereigroße Kartoffel entspricht etwa 1 KE/BE.
Bei Kartoffelprodukten zählt die Portionsgröße besonders. Bratkartoffeln aus etwa vier Kartoffeln können ungefähr 4 KE/BE enthalten. Pommes frites, Kartoffelpuffer, Kroketten oder Chips sind wegen Fett, Verarbeitung und Portionsgröße schwerer einzuschätzen und sollten möglichst anhand von Verpackungsangaben oder Wiegen berechnet werden.
Nudeln, Reis und Mehlspeisen
Nudeln und Reis gehören zu den klassischen Stärkequellen. Für die Berechnung ist es hilfreich, das Rohgewicht zu kennen. Beim Kochen nehmen Nudeln und Reis Wasser auf, wodurch das Gewicht deutlich steigt, die Kohlenhydratmenge aber aus dem Rohprodukt stammt.
Nudeln
Etwa 15 Gramm rohe Nudeln entsprechen ungefähr 1 KE/BE. Nach dem Kochen wiegen sie etwa das Dreifache, also rund 50 Gramm. Ein leicht gehäufter Teller mit etwa 200 Gramm gekochten Nudeln kann somit ungefähr 4 KE/BE enthalten.
Reis
Bei Reis kann ein Esslöffel des rohen Produkts grob mit 1 KE/BE veranschlagt werden. Beim Kochen quellen die Körner auf, sodass aus einem Esslöffel rohem Reis etwa zwei bis drei Esslöffel gekochter Reis entstehen.
Mehlspeisen
Grießbrei, Klöße, Knödel und ähnliche Mehlspeisen bestehen oft zu einem großen Teil aus kohlenhydrathaltigen Zutaten wie Mehl, Grieß, Zucker oder Milch. Eine Portion Grießbrei kann etwa 2 bis 3 KE/BE enthalten. Zwei Hefeknödel können bereits etwa 8 bis 9 KE/BE erreichen, ein großer Germknödel sogar etwa 10 bis 11 KE/BE. Solche Gerichte sollten besonders sorgfältig geplant werden.
Gemüse, Hülsenfrüchte und Salate
Die meisten Gemüsesorten enthalten viel Wasser und vergleichsweise wenig Kohlenhydrate. Viele Salate, Gurken, Tomaten, Zucchini, Paprika oder Blattgemüse fallen in üblichen Mengen kaum ins Gewicht. Ausnahmen sind stärkehaltigere Gemüse und Hülsenfrüchte, zum Beispiel Mais, Erbsen, Linsen oder Bohnen. Diese können den Blutzucker spürbarer beeinflussen und sollten je nach Menge einberechnet werden.
Bei Salaten sind häufig nicht die Gemüse selbst das Problem, sondern Dressings, Toppings und Beilagen. Zuckerhaltige Fertigdressings, Croutons, Mais, süße Soßen oder Brotbeilagen können die Kohlenhydratmenge deutlich erhöhen.
Suppen und Soßen richtig einschätzen
Suppen und Soßen sind sehr unterschiedlich zusammengesetzt. Eine klare Gemüse- oder Fleischbrühe enthält in der Regel kaum Kohlenhydrate. Suppen mit Nudeln, Reis, Kartoffeln, Grieß, Mehlbindung oder Milchprodukten können dagegen relevant sein. Für einen gefüllten Teller Suppe mit Nudeln, Kartoffeln oder Reis können je nach Zubereitung bis zu etwa 2 KE/BE anfallen.
Auch Soßen schwanken stark. Kleine Mengen einer dünnen Bratensoße sind oft weniger relevant, während Fertigsoßen, süß-saure Soßen, Tomatencremesuppen oder gebundene Soßen mehr Kohlenhydrate enthalten können. Bei Fertigprodukten lohnt sich immer der Blick auf die Verpackung.
Milch, Joghurt, Käse und Milchprodukte
Milch und viele Milchprodukte enthalten Milchzucker. Naturjoghurt, Milch oder Kefir sind deshalb nicht vollständig kohlenhydratfrei. Ein Naturjoghurtbecher mit etwa 150 Gramm kann ungefähr 0,5 KE/BE enthalten. Fruchtjoghurt, Trinkjoghurt oder gesüßte Milchprodukte enthalten zusätzlich Frucht- oder Haushaltszucker und können deutlich höher liegen; ein Fruchtjoghurtbecher kann etwa 2 KE/BE enthalten.
Käse enthält hingegen meist kaum Kohlenhydrate und ist für die KE/BE-Berechnung in üblichen Mengen meist nicht relevant. Trotzdem spielen Fett- und Kaloriengehalt für die gesamte Ernährung eine Rolle.
Obst, Trockenobst und Obstkonserven
Obst enthält Kohlenhydrate in Form von Fruchtzucker und anderen Zuckerarten. Frisches Obst kann gut in den Alltag passen, sollte aber nach Menge berechnet werden. Ein kleiner Apfel eignet sich häufig als gut planbare Zwischenmahlzeit. Es ist sinnvoll, Obst anfangs öfter zu wiegen, um ein Gefühl für Portionsgrößen zu entwickeln.
Manche Obstsorten, etwa Weintrauben, können den Blutzucker schneller ansteigen lassen. Trockenobst ist besonders konzentriert: Rosinen sind getrocknete Trauben und enthalten auf kleinem Volumen viel Zucker. Obstkonserven können durch Saft oder Sirup ebenfalls sehr zuckerreich sein. Hier helfen Produkte ohne Zuckerzusatz und ein Blick auf die Nährwertangaben.
Nüsse: kleine Mengen meist wenig kohlenhydratrelevant
Nüsse enthalten Fett, Eiweiß, Ballaststoffe und je nach Sorte geringe bis moderate Mengen Kohlenhydrate. In kleinen Mengen sind sie für viele Menschen nicht stark kohlenhydratrelevant. Bei großen Mengen oder wenn Nüsse in Kuchen, Gebäck oder Müslimischungen verarbeitet sind, sollten sie jedoch in die Gesamtberechnung einbezogen werden.
Eis und Süßwaren
Süßwaren können den Blutzucker je nach Zusammensetzung sehr unterschiedlich beeinflussen. Bonbons, Lakritz oder Weingummi enthalten wenig Fett und bestehen oft zu einem großen Teil aus Zucker. Sie können daher schneller ins Blut gehen als fettreiche Süßwaren.
Eis
Eine Kugel Eis enthält im Durchschnitt etwa 2 KE/BE. Bei einem Waffeleis oder einem großen Eis am Stiel kann man eher mit 2,5 bis 3 KE/BE rechnen. Ob ein Eis mit Milch, Sahne, Fruchtzucker oder zusätzlichen Zutaten hergestellt ist, beeinflusst Menge und Verlauf des Blutzuckeranstiegs.
Schokolade und Schokoriegel
Bei Schokoladenprodukten machen Kohlenhydrate häufig etwa die Hälfte des Gewichts aus. Eine Tafel Schokolade kann ungefähr 5 KE/BE enthalten, normale Schokoriegel liegen oft bei etwa 3 KE/BE. Durch den Fettgehalt steigt der Blutzucker häufig nicht so schnell wie bei fettfreien Süßigkeiten, kann aber verzögert ansteigen.
Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe
Produkte, die ausschließlich mit Süßstoffen wie Aspartam, Acesulfam oder Cyclamat gesüßt sind, enthalten oft kaum Kohlenhydrate und beeinflussen den Blutzucker meist wenig. Bei Zuckeraustauschstoffen wie Sorbit, Mannit, Isomalt oder Xylit ist mehr Aufmerksamkeit nötig: Sie können Kalorien liefern, Magen-Darm-Beschwerden verursachen und je nach Produkt trotzdem relevant sein. Auch hier gilt: Zutatenliste und Nährwerttabelle prüfen.
Knabbereien: Chips, Popcorn und Salzstangen
Knabbereien werden häufig unterschätzt, weil sie neben Kohlenhydraten auch viel Fett und Salz enthalten. Chips bestehen meist aus Kartoffeln oder Reis, Popcorn aus Mais und Salzstangen aus Mehl. Ein bis zwei Handvoll können je nach Produkt ungefähr 1 KE/BE liefern. Wegen des hohen Fettgehalts kann der Blutzuckeranstieg verzögert sein und sich über längere Zeit zeigen.
Alkoholfreie Getränke
Gezuckerte Getränke können den Blutzucker sehr schnell erhöhen. Limonaden und Fruchtsäfte enthalten oft etwa 10 Gramm Zucker pro 0,1 Liter. Ein Glas mit 0,2 Liter kann daher ungefähr 2 KE/BE liefern. Auch Malzbier oder alkoholfreies Bier kann kohlenhydratrelevant sein.
Als Durstlöscher eignen sich Wasser, Mineralwasser, ungesüßter Tee oder geeignete Light-Getränke meist besser. Gezuckerte Getränke können nach individuellem Plan zur Behandlung einer Unterzuckerung sinnvoll sein, sollten aber nicht unbedacht als Alltagsgetränk verwendet werden. Informationen zu Unterzuckerungen findest du in unserem Beitrag Unterzuckerung erkennen und richtig reagieren.
Alkoholische Getränke: besondere Vorsicht wegen Unterzuckerung
Alkohol kann die Glukoseregulation beeinflussen und das Risiko für Unterzuckerungen erhöhen, insbesondere zeitverzögert und nach körperlicher Aktivität oder am Abend. Deshalb werden alkoholische Getränke im Diabetesalltag nicht einfach wie normale Kohlenhydratquellen behandelt. Trockener Wein enthält beispielsweise wenig Zucker, kann aber dennoch das Unterzuckerungsrisiko erhöhen.
Zuckerhaltige alkoholische Getränke wie lieblicher Wein, Cocktails, Liköre oder Bier können zusätzlich Kohlenhydrate liefern. Größere Mengen können den Blutzucker zunächst erhöhen, später aber trotzdem mit Unterzuckerungen verbunden sein. Sinnvoll ist, vor und nach dem Alkoholkonsum zu messen beziehungsweise den Glukoseverlauf zu beobachten und die individuellen Empfehlungen des Diabetesteams zu beachten. Allgemeine Gesundheitsinformationen zu Alkohol bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
So gehst du im Alltag praktisch vor
1. Portionen anfangs wiegen
Wer häufig dieselben Lebensmittel isst, entwickelt schnell ein Gefühl für Portionen. Am Anfang lohnt sich jedoch das Wiegen: Brot, Nudeln, Reis, Müsli und Obst lassen sich dadurch deutlich genauer einschätzen.
2. Rohgewicht und Kochgewicht unterscheiden
Bei Nudeln, Reis, Grieß und manchen Getreideprodukten ist das Rohgewicht besonders aussagekräftig. Durch Wasseraufnahme steigt das Gewicht beim Kochen, ohne dass zusätzliche Kohlenhydrate entstehen.
3. Nährwertangaben nutzen
Bei Fertigprodukten, Soßen, Dressings, Gebäck, Süßwaren und Getränken ist die Nährwerttabelle oft die beste Grundlage. Entscheidend ist die Angabe „Kohlenhydrate“ und gegebenenfalls „davon Zucker“ pro 100 Gramm sowie pro Portion.
4. Geschwindigkeit des Blutzuckeranstiegs beachten
Flüssiger Zucker wirkt meist schneller als stärkehaltige oder fettreiche Mahlzeiten. Vollkorn, Ballaststoffe, Fett und Eiweiß können den Anstieg verlangsamen oder verzögern. Das ist besonders wichtig, wenn Insulin, Bewegung oder längere Essenszeiten eine Rolle spielen.
5. Aus Erfahrung lernen
Notiere bei neuen Gerichten gelegentlich Portionsgröße, geschätzte KE/BE, gemessene Werte und den Verlauf. So erkennst du, welche Lebensmittel bei dir schneller oder langsamer wirken.
Häufige Fehler beim Schätzen von Kohlenhydraten
- Getränke vergessen: Saft, Limonade, Malzbier, Milchkaffee mit Zucker oder Smoothies können relevante Mengen liefern.
- Fertigsoßen unterschätzen: Zucker, Stärke oder Mehlbindung können die Kohlenhydratmenge erhöhen.
- Trockenobst wie frisches Obst behandeln: Trockenobst enthält auf kleinem Volumen deutlich mehr Zucker.
- Nudeln und Reis nur nach Tellergröße schätzen: Die tatsächliche Menge hängt stark von Kochgrad und Portion ab.
- Fettige Mahlzeiten zu früh bewerten: Pizza, Schokolade, Chips oder Torten können einen verzögerten Anstieg verursachen.
- Alkohol nur nach Zucker berechnen: Alkohol kann Unterzuckerungen begünstigen und braucht besondere Vorsicht.
Fazit: Kohlenhydrate schätzen wird mit Übung deutlich leichter
Kohlenhydrate einzuschätzen ist anfangs anspruchsvoll, wird aber mit Routine immer einfacher. Besonders wichtig sind wiederkehrende Portionsgrößen, ein gutes Verständnis für kohlenhydratreiche Lebensmittel und der Blick auf den individuellen Glukoseverlauf. Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Obst, Milchprodukte, Gebäck, Süßwaren und gezuckerte Getränke sind die wichtigsten Lebensmittelgruppen für die Berechnung. Fleisch, Fisch, Eier, Käse und viele Gemüsesorten enthalten dagegen meist wenig oder keine anrechenbaren Kohlenhydrate, solange keine Panade, Mehlbindung, Zucker oder stärkehaltige Beilagen dazukommen.
Nutze KE/BE als praktisches Werkzeug, aber nicht als starres System. Die beste Orientierung entsteht aus Schulung, Erfahrung, regelmäßiger Kontrolle und einer guten Abstimmung mit dem Diabetesteam.






