Unterzuckerung was tun: Unterzuckerung erkannt: Was ist jetzt in welcher Reihenfolge zu tun?

Unterzuckerung erkannt: Was ist jetzt in welcher Reihenfolge zu tun?

Eine Unterzuckerung, medizinisch Hypoglykämie genannt, tritt auf, wenn der Blutzucker zu stark absinkt. Besonders Menschen mit Diabetes, die Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente einnehmen, können betroffen sein. Typische Warnzeichen sind Zittern, Schwitzen, Heißhunger, Herzklopfen, Konzentrationsprobleme, Schwindel oder ungewöhnliche Reizbarkeit. Wichtig ist: Ruhe bewahren und in der richtigen Reihenfolge handeln.

1. Situation einschätzen und Blutzucker messen

Wenn der Verdacht auf Unterzuckerung besteht, sollte nach Möglichkeit sofort der Blutzucker gemessen werden. Werte unter etwa 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l gelten häufig als Unterzuckerung. Auch wenn kein Messgerät verfügbar ist, sollten typische Symptome ernst genommen werden. Weitere Grundlagen zu Diabetes und Blutzuckerwerten bietet zum Beispiel gesund.bund.de.

Bei Betroffenen mit kontinuierlicher Glukosemessung sollte zusätzlich beachtet werden, dass Sensorwerte zeitverzögert sein können. Bei deutlichen Beschwerden zählt der Zustand der Person mindestens genauso wie der angezeigte Wert.

2. Schnell wirksame Kohlenhydrate geben

Ist die Person wach, ansprechbar und kann sicher schlucken, sollten schnell wirksame Kohlenhydrate eingenommen werden. Geeignet sind zum Beispiel Traubenzucker, gezuckerte Getränke oder Fruchtsaft. Häufig wird als Orientierung eine Menge von etwa 15 bis 20 Gramm schnell verfügbarer Kohlenhydrate empfohlen.

Weniger geeignet sind fettreiche Lebensmittel wie Schokolade, weil Fett die Zuckeraufnahme verzögern kann. Auch Light-Getränke helfen nicht, da sie meist keinen wirksamen Zucker enthalten.

3. Nach 10 bis 15 Minuten erneut prüfen

Nach etwa 10 bis 15 Minuten sollte der Blutzucker erneut gemessen werden. Sind die Beschwerden weiterhin vorhanden oder ist der Wert noch zu niedrig, kann erneut eine kleine Menge schnell wirksamer Kohlenhydrate gegeben werden. Dabei sollte die betroffene Person nicht allein gelassen werden.

Für Menschen mit Diabetes ist es sinnvoll, individuelle Notfallregeln mit der behandelnden Praxis zu besprechen. Ergänzende Informationen finden sich auch bei der Deutschen Diabetes-Hilfe.

4. Danach länger wirksame Kohlenhydrate einplanen

Wenn sich der Zustand stabilisiert hat, sollte geprüft werden, wann die nächste Mahlzeit ansteht. Liegt diese noch weiter entfernt, kann eine kleine Zwischenmahlzeit mit länger wirksamen Kohlenhydraten sinnvoll sein, etwa Brot, Müsli oder eine Banane. Das kann helfen, ein erneutes Absinken zu vermeiden.

Wer häufiger Unterzuckerungen erlebt, sollte die Ursachen klären lassen. Mögliche Auslöser sind zu viel Insulin, ausgelassene Mahlzeiten, ungewohnte körperliche Belastung, Alkohol oder Veränderungen bei Medikamenten. Mehr Hintergründe zu Vorsorge und Alltag findest du in unserem Ratgeberbereich Gesundheit.

5. Bei Bewusstseinsstörung sofort Notruf wählen

Wenn die betroffene Person benommen ist, Krampfanfälle hat, nicht mehr sicher schlucken kann oder bewusstlos wird, darf nichts zu essen oder zu trinken gegeben werden. Es besteht Erstickungsgefahr. In diesem Fall sollte sofort der Notruf 112 verständigt werden.

Falls ein Glukagon-Notfallset vorhanden ist und Helfende darin eingewiesen sind, kann es nach Anleitung angewendet werden. Bis professionelle Hilfe eintrifft, sollte die Atmung kontrolliert und die Person bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage gebracht werden. Hinweise zu Erste-Hilfe-Maßnahmen bietet unter anderem das Deutsche Rote Kreuz.

6. Vorbeugen und vorbereitet sein

Menschen mit erhöhtem Risiko sollten Traubenzucker oder ein geeignetes zuckerhaltiges Getränk griffbereit haben, besonders beim Sport, auf Reisen oder im Berufsalltag. Hilfreich sind außerdem ein Diabetesausweis, Notfallkontakte und klare Absprachen mit Angehörigen, Freunden oder Kolleginnen und Kollegen.

Nach einer schweren oder wiederholten Unterzuckerung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Die Therapie muss möglicherweise angepasst werden. Diese Informationen ersetzen keine medizinische Diagnose, können aber dabei helfen, im Ernstfall schneller und sicherer zu reagieren.

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